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Ehingen aktuell - Presseberichte

Zum Denkmaltag 2020

[Artikel vom 11.09.2020]

von Ludwig Ohngemach


Wegen der aktuellen Pandemie und den damit verbundenen Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz findet der Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr unter besonderen Bedingungen statt, wobei auch neue Wege begangen werden müssen. Die nachfolgenden Ausführungen zu den erhaltenen Gebäuden des Ehinger Hl.-Geist-Spitals sowie das historische Luftbild sollen dazu anregen, sich selbst ein Bild von diesem, trotz aller Verluste, wohl größten Baudenkmal unserer Stadt zu machen. 


Entstehung und allgemeine Baugeschichte

Bekanntlich soll das Ehinger Hl.-Geist-Spitals durch eine Stiftung eines Heinrich Wislederer in den Jahren 1336-40 entstanden sein. Schon in diesen Anfangsjahren wurde offenbar eine Kapelle eingerichtet. Durch weitere Güterübertragungen, mit denen die Stifter ihr Seelenheil fördern wollten, gelangte es schnell zu großem Besitz, der bald auch den Neu- und Ausbau der Gebäude zuließ. Auch mussten seine Baulichkeiten immer wieder neuen Anforderungen angepasst werden. Ab 1470 wurden die bisherigen Spitalgebäude nach und nach durch Neubauten ersetzt. Ein Anlass war die wachsende Bedeutung des Pfründnerwesens, das statt der bisher üblichen Massenquartiere für Mittellose, die „um Gotts willen“ im Spital lebten, nun vermehrt Appartements für wohlhabendere Pfründner notwendig machten. Diese kauften sich ins Spital ein und sicherten sich so einen behaglichen Lebensabend. Grundlegende Veränderungen waren auch mit der Aufgabe der spitaleigenen Ökonomie Ende des 18. Jahrhunderts verbunden. Und nachdem die letzten Spitalbewohner 1812 ins ehemalige Benediktinerkolleg bei der Herz-Jesu-Kirche umgezogen waren, standen die Baulichkeiten zum Teil leer oder wurden unterschiedlich und wechselnd genutzt.


Zur Lage in der Stadt

Die Platzierung des Ehinger Spitals entspricht dem Idealtypus eines mittelalterlichen Stadtspitals. Durch das benachbarte Pfistertor war das Spital für Hilfsbedürftige von außerhalb der Stadt leicht erreichbar, während durch die Schmiech die Versorgung mit Wasser und die kostengünstige Entsorgung von Abfällen gesichert war.


Zu den verschiedenen Gebäuden im Einzelnen:

1. Das "Neuhaus"

Die Errichtung des sogenannten "Neuhauses", das seit 1985 das Museum beherbergt, datiert ins Jahr 1532, wie entsprechende Jahreszahlen an einem Balkenständer in der Südwestecke belegen. Kleinere Räume für Pfründner, vor allem Kammern und Stuben für Gesinde und Knechte sowie eine große Küche waren hier eingerichtet. Unter dem Dach fand eine dreistöckige Fruchtschütte Platz. Nachdem das Gebäude im 18. und 19. Jahrhundert zeitweise als Kaserne gedient hatte, wurde es ab 1866  als Fortbildungs-Schule verwendet.


2. Der sogenannte "Zwischenbau"

Bereits 1470 entstand der sogenannte Zwischenbau, der als Amtsgebäude insbesondere die Spitalverwaltung aufnahm. Im unteren Geschoss waren Wohnstube und Schlafkammer der „armen Dürftigen" also derjenigen, die „um Gotts Willen", umsonst im Spit al lebten, untergebracht. Weiterhin werden genannt eine Wagnerwerkstätte, eine Futterkammer und das Spitalgefängnis. Im oberen Stock befanden sich repräsentativ ausgestattete Verwaltungsräume: die Amtsstube, die in den Quellen auch unter der Bezeichnung „Spitalmeisterstüblein“ erscheint. Daran schlossen sich eine weitere Stube sowie ein großer Saal für Amtsversammlungen an. Im Dachstuhl war eine Fruchtschütte eingebaut.


3. Spitalkapelle mit angebauter Sakristei

Mit den Bauarbeiten der heutigen Spitalkapelle wurde, wie eine Inschrift an der Außenseite des Chores belegt, im Frühjahr 1493 begonnen, die Einweihung erfolgte am 4. August 1498. Die Innenausstattung wurde mehrfach, um 1600 und um 1680 dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet. Nach dem Umzug der Spitalbewohner ins ehemalige Benediktinerkolleg blieb die Kapelle seit etwa 1824 geschlossen. Nachdem Zwischendecken eingezogen worden waren, nutzte man sie nach 1828 als Getreidespeicher, später war sie städtische Waage und Landwehrbezirksdepot. Ab 1920 bis 1975 wurden hier die Schätze des Bezirksaltertumsvereins präsentiert. Danach stand die Kapelle leer bis sie 2006, nach grundlegender Renovierung, als Teil des Museums wiedereröffnet werden konnte. Unter der Spitalkapelle befindet sich ein doppelter Keller, der lange Zeit als städtische Weinkeller diente


4. Der obere Stadel

Noch 1784 grenzte eine Mauer mit Tor das Areal des Spitals gegen die Heckenmühle und den Weg zum Unteren Badtor ab. Dieses Tor wurde insbesondere in der Erntezeit benutzt, um Frucht in den "obern Stadel" einzufahren. Dieser erstreckte sich entlang der Schmiech und wurde 1615 nach dem Einsturz des Dachstuhls neu errichtet. Eigentlich handelte es sich um zwei Stadel mit vier nebeneinander gelegenen Stallungen. Als das Spital seine Güter seit Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr selbst bewirtschaftete, wurde er von deren Pächtern genutzt. Am 24. September 1843 brannte die Scheuer "im hintern Casernenhof" ab, wurde aber 1844 aus Stein wieder aufgebaut. Im 20. Jahrhundert war hier die Milchsammelstelle untergebracht, von der die Bezeichnung "Alte Molke" herrührt.


  5. Das Bettel- oder Schlachthaus

Neben dem "Neuhaus"  befand sich das sogenannte Bettelhaus, das  später auch als "Schlachthaus" bezeichnet wurde. Das dreistöckiges Wohnhaus mit einem kleinen Zwischenbau scheint um 1731/32 neu erbaut worden zu sein. Abgesehen vom ersten Stock, der ganz aus Stein bestand, war es in Eichenfachwerk ausgeführt. 1784 bewohnte der ehemaligen "Spitalvater" oder Spitalmeister das mittlere Stockwerk. Das Gebäude wurde wohl in den 1970er Jahren abgerissen.


6. Der "Steinerne Stadel"

Nördlich der Schmiech, am Rande des "Äußeren Spitalhofs" befand sich diese dreistöckige Scheuer mit eingebauten Stallungen, die wegen ihrer Bauweise so genannt wurde und deren östliche Außenmauer die Stadtmauer bildete. Wie auch andere Gebäude des Spitals mussten ihre Grundmauern wegen des sumpfigen Untergrundes mit einem Pfahlrost unterfangen werden, wobei die verwendeten Hölzer im Winter 1520/21 gefällt wurden, sodass die Bauarbeiten ab Sommer 1521 erfolgen konnten. Zeitweise diente der Bau "aus Abmangel eines Zeughauses" zur Aufbewahrung der städtischen Feuerspritze,  1882 erfolgte der Einbau eines städtischen Schlachthauses.  1973 wurde der Stadel zusammen mit dem Nachbargebäude abgerissen und die Stadtmauer mit Wehrgang freigelegt.
Den Nord und Westrand des "äußeren Hofes" bildeten verschiedene Gebäude, die aber alle nicht mehr erhalten sind: genannt werden die sogenannte "große Scheuer" unter anderem mit einem großen Pferdestall, der 20 Zugpferden Platz bot. Diese Scheuer wurde bereits 1868 und 1880 beseitigt. Westlich schloss sich das sogenannte Reiterhaus an. Es wurde vor 1868 abgebrochen, um der Straßenverbindung vom Bahnhof zur Stadt Platz zu machen. Den eigentlichen Eingang zum Spitalkomplex bildete ein Hoftor mit Torwarts- und Schließerhaus, das ebenfalls vor 1868 beseitigt wurde.


7. Das Pfründnerhaus

An der Stelle des heutigen Gasthauses Deutscher Kaiser befand sich, durch einen Gang in Höhe des ersten Stockes mit dem Neuhaus verbunden, das sogenannte Pfründnerhaus mit Stuben für wohlhabende Spitalbewohner. Außerdem beherbergte das Gebäude, das unmittelbar an der Schmiech lag, die Spitalmühle und die Spitalbäckerei. Es wurde 1565  neu errichtet und machte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem heutigen Gasthaus Platz.


8. Die Spitalscheuer an der Kasernengasse

Gleichfalls bereits außerhalb des mauerumfriedeten Spitalkomplexes liegt eine weitere Scheuer, die ehemals im Besitz des Spitals war und die 1483 vollständig aus Stein errichtet wurde. Nach dem 30jährigen Krieg musste sie an die Universität Freiburg verkauft werden und erscheint in der Folgezeit in den Quellen als "Universitäts-Stadel". Das bereits 1615 erwähnte eiserne Kreuz am First verweist noch heute auf den ehemaligen Besitzer.

Untere Stadt mit den Gebäuden des ehemaligen Hl.-Geist-Spitals im Sommer 1962.
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Untere Stadt mit den Gebäuden des ehemaligen Hl.-Geist-Spitals im Sommer 1962.
1 "Neuhaus", 2 "Zwischenbau", 3 Spitalkapelle, 4 Oberer Stadel, 5 "Bettelhaus", 6 "Steinerner Stadel", 7 Pfründnerhaus, 8 Spitalscheuer an der Kasernengasse
Vorlage: Stadtarchiv Ehingen (Donau), www.Luftbild-Bertram.de

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