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Lebenslinien

Ein Kunstprojekt im Kloster Reute

Ehingen ist der Gründungsort der Franziskanerinnen

Im Revolutionsjahr 1848 schlossen sich in Ehingen fünf Frauen zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie gaben sich den Auftrag, „Gott in der leidenden Menschheit zu dienen“, und begannen – zunächst von ihren Elternhäusern aus – arme und verlassene Kranke der Stadt zu pflegen. Ihr erstes festes Quartier bezog die junge Gemeinschaft im ehemaligen Franziskanerkloster in der Spitalstraße.

Die Ehinger Gründung war die erste Neugründung einer Ordensgemeinschaft im damaligen Königreich Württemberg; 1852 wurde sie vom Bischof von Rottenburg anerkannt. Über Schwäbisch Hall und Biberach gelangte die Gemeinschaft 1869/70 nach Reute bei Bad Waldsee, wo sie das leerstehende Franziskanerinnenkloster erwarb und bis heute ihren Sitz hat. Aus der Ehinger Initiative von fünf Frauen entwickelte sich eine Gemeinschaft, die 1940 mit 1.786 Schwestern ihren Höchststand erreichte und bis nach Indonesien und Brasilien wirkte.

Als Gründungsnamen überliefert sind Sr. Maria Anna Bloching, Sr. Maria Anna Braig, Sr. Helene Schwer, Sr. Maria Veronika Moll und Sr. Maria Magdalena Moll.

169 Jahre Wirken in Ehingen – ein bis heute prägendes Erbe

Auch nach der Verlegung des Ordenssitzes blieben die Schwestern in Ehingen präsent. Erst 2017 verließen die letzten beiden Franziskanerinnen die Stadt – nach 169 Jahren ununterbrochenen Wirkens in Pflege, Erziehung und Bildung.

Das Erbe dieses Wirkens ist im sozialen Leben der Stadt bis heute wirksam. Die Franziskanerinnen von Reute führten über viele Jahre das traditionsreiche Alten- und Pflegeheim der Stadt Ehingen, erwarben es 1999 und brachten es in die von ihnen gegründete St. Elisabeth-Stiftung ein. Als Wohnpark St. Franziskus in der Spitalstraße – in unmittelbarer Nachbarschaft des Franziskanerklosters – ist es heute eine feste Größe der Ehinger Altenhilfe. Hinzu kommen weitere Angebote der Stiftung in und um Ehingen, unter anderem die Interdisziplinäre Frühförderstelle und das Hospiz St. Martinus Alb-Donau in Kirchbierlingen.

Die Verbindung zwischen Stadt und Gemeinschaft ist damit keine historische Reminiszenz, sondern gelebte Gegenwart: Noch heute gehört eine Fahrt nach Ehingen und der Besuch der historischen Stätten zum festen Programm der Aufenthalte von Schwestern aus der indonesischen Ordensgründung. Was 1848 in Ehingen begann, trägt heute noch Ehinger Einrichtungen.

Das Kunstprojekt „Lebenslinien“ von Mahbuba Maqsoodi

Für die künstlerische Gestaltung lobte die Gemeinschaft einen öffentlichen, zweistufigen Kunstwettbewerb aus. 76 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Italien bewarben sich; fünf wurden zur Ausarbeitung eines detaillierten Entwurfs eingeladen. Die Fachjury entschied einstimmig für das Konzept „Lebenslinien“ der Künstlerin Mahbuba Maqsoodi.

Mahbuba Maqsoodi, in Afghanistan geboren, in St. Petersburg ausgebildet und promoviert, seit ihrer Flucht in München beheimatet, zählt zu den international bekanntesten Glaskünstlerinnen der Gegenwart. Ihr Glasfensterzyklus für die Abteikirche Tholey im Saarland fand weit über Deutschland hinaus Beachtung. Die Arbeiten für Reute entstehen in der traditionsreichen Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck in München.

Ihr Zyklus aus Glasarbeiten und Glasmosaiken spannt einen Bogen von den fünf Gründerinnen der Gemeinschaft über die biblischen Wurzeln franziskanischer Spiritualität bis zur seligen Guten Beth. Orientierung geben fünf Haltungen, die auf die Gründerinnen zurückgehen: Mut, Offenheit, Einfachheit, Liebe zu den Armen und Liebe zur Kirche.

Weiter zur Website https://www.klosterberg-reute.de/index.php/2026/07/16/lebenslinien-ausstellung-in-der-galerie-gustav-van-treeck-in-muenchen/

Das Fenster „Mut“ – das Ehinger Fenster

Dem Anfang – und damit den fünf Frauen aus Ehingen – ist das Fenster „Mut“ zugeordnet. Es steht für jene Haltung, die 1848 in Ehingen den Ausschlag gab: Fünf Frauen ohne Vermögen, ohne Rückhalt im Bürgertum und teils gegen Widerstände begannen schlicht damit, sich der Kranken der Stadt anzunehmen.

Damit erhalten die Ehinger Gründerinnen in einem Werk von künstlerischem Rang ein dauerhaftes, weithin sichtbares Andenken. Es liegt nahe, dass die Stadt, aus der diese fünf Frauen kamen, genau dieses Fenster stiftet.