Konzeption Kiga

KONZEPTION Kindergarten Mittendrin Stadt Ehingen (Donau) Erarbeitet Januar 2025

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 1 1 Grußwort BM Huber............................................................................................................................3 2 Rechtliche Rahmenbedingungen / Bildungs- und Betreuungsauftrag von Kitas ...........................4 3 Leitprinzipien ........................................................................................................................................5 4 Wir stellen uns vor ................................................................................................................................7 4.1 Tagesablauf ......................................................................................................................................10 5 Spielen ist Lernen in der frühen Kindheit ........................................................................................12 5.1 Unser Bild vom Kind ......................................................................................................................14 5.2 Rollenverständnis und Haltung der pädagogischen Fachkräfte ................................................16 6 Eingewöhnung .....................................................................................................................................20 6.1 Ablauf der Eingewöhnung..............................................................................................................21 7 Bildungs- und Entwicklungsfelder des Orientierungsplans ...........................................................30 7.1 Körper ..............................................................................................................................................30 7.2 Sinne .................................................................................................................................................33 7.3 Sprache.............................................................................................................................................36 7.4 Denken..............................................................................................................................................39 7.5 Gefühl und Mitgefühl .....................................................................................................................42 7.6 Sinn, Werte und Religion ...............................................................................................................44 8 Unser pädagogischer Ansatz..............................................................................................................45 8.1 Öffnung nach außen........................................................................................................................48 8.2 Projekte ............................................................................................................................................48 9 Räume ..................................................................................................................................................50 9.1 Bad und Wickelbereich .......................................................................................................................52 9.2 Schlaf- und Ruheräume ......................................................................................................................52 10 Bildungsbereiche .................................................................................................................................54 10.1 Spiegelung der Bildungsbereiche in den Außenbereich...........................................................58 11 Beobachtung und Dokumentation.....................................................................................................61 11.1 Bildungs- und Lerngeschichten..................................................................................................62 11.2 Wanddokumentationen...............................................................................................................63

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 2 11.3 Entwicklungsgespräch.................................................................................................................64 11.4 Beratungsgespräche.....................................................................................................................64 12 Sprachliche Lern- und Bildungsprozesse .........................................................................................65 13 Partizipation ........................................................................................................................................67 13.1 Partizipatorische Grundhaltung dem Kind gegenüber ...........................................................68 14 Sexualpädagogik .................................................................................................................................71 14.1 Psychosexuelle Entwicklung .......................................................................................................72 14.2 Sexualpädagogik in der Krippe und im Kindergarten ............................................................74 14.3 Sexualpädagogik Konzept Kindergarten Mittendrin ..............................................................75 15. Inklusion ..............................................................................................................................................79 16. Elternbeteiligung in der Kita .............................................................................................................80 17 Beschwerdemanagement ....................................................................................................................83 17.1 Beschwerdemanagement der Kinder ...............................................................................................83 17.2 Beschwerdemanagement Eltern .......................................................................................................83 17.3 Beschwerdemanagement Mitarbeiter ..............................................................................................85 18 Übergänge gestalten............................................................................................................................87 18.1 Von der Krippe in den Kindergarten ..............................................................................................87 18.2 Von der Kita in die Grundschule .....................................................................................................89 19 Kooperation mit Fachdiensten...........................................................................................................90 20 Zusammenarbeit zur Sicherung des Kindeswohls...........................................................................91 21 Qualitätssicherung ..............................................................................................................................94 22 Buch- und Aktenführung gem. §§ 45 Abs. 3 und 47 Abs. 2 SGB VIII...........................................95 23 Quellenverzeichnis ..............................................................................................................................98

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 3 1 Grußwort BM Huber Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern, wir freuen uns sehr, dass Sie Ihr Kind in einer unserer städtischen Kindertageseinrichtungen angemeldet haben. Vor allem danken wir Ihnen dafür, dass Sie uns Ihr Vertrauen schenken und wir Ihre Kinder in einer unserer Kindertageseinrichtungen ein Stück auf ihrem Weg begleiten dürfen. Die pädagogischen Ansprüche an eine Kindertageseinrichtung sind im Laufe der Zeit sehr gestiegen. So werden die Kinder nicht nur betreut, sondern durch unser qualifiziertes pädagogisches Fachpersonal gefördert und stark für das weitere Leben gemacht. Es zeigt sich immer mehr, welche Menge an Fähigkeiten während der frühen Lebensjahre erlernt werden müssen und wie leicht es Kindern fällt, sich diese spielerisch und voller Neugierde anzueignen. Die Grundhaltung unserer Mitarbeiter ist der Schlüssel zu einer von Vertrauen geprägten Erziehungspartnerschaft und auch für die Kinder ist diese von höchster Bedeutung. Wir sehen unsere Kindertageseinrichtung als ein Ort der Begegnung und des Lernens. Kinder können nur dann lernen, wenn sie sich wohl fühlen und ein wertschätzendes Umfeld vorfinden. So ist in einem intensiven Prozess unsere pädagogische Konzeption entstanden, die in unseren städtischen Kindertageseinrichtungen gelebt wird. Diese wird in regelmäßigen Abständen überarbeitet und weiterentwickelt, sodass neue pädagogische Erkenntnisse direkt in die Arbeit mit einfließen können. Ziel ist es, die Arbeit in den Einrichtungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Die Konzeption vermittelt Methoden und Formen der pädagogischen Arbeit und beschreibt die vorhandenen Rahmenbedingungen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für Eltern dient sie als ein Leitfaden und ist eine Orientierungshilfe. Wir wünschen Ihnen beim Lesen viele neue Erkenntnisse und für Sie und Ihr Kind einen guten Start in unseren Kindertageseinrichtungen. Tobias Huber Bürgermeister

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 4 2 Rechtliche Rahmenbedingungen / Bildungs- und Betreuungsauftrag von Kitas Alle Kinder haben Sozial- und Grundrechte, die in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, Erziehung und Betreuung. Dies ist unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht, seiner kulturellen und ethnischen Orientierung. Ebenso ist dies nicht abhängig von der Lebenssituation des Kindes und dessen Familie. Den gesetzlichen Rahmen für die Arbeit in der Kindertagesstätte bilden neben den genannten Grundlagen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Art. 1 GG Menschenwürde; Art. 2 GG Freie Entfaltung der Persönlichkeit; Art. 3 GG Gleichheit vor dem Gesetz), das Bürgerliche Gesetzbuch (§§ 1626 ff BGB elterliche Sorge), das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, Sozialgesetzbuch, VIII. Buch, hier vor allem § 22) und das Kindergartengesetz Baden-Württemberg. Außerdem basiert unsere Arbeit auf dem „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindergärten und weiteren Kindertageseinrichtungen“. § 22 Abs. 3 SGB VIII: „Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen.“ Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung: Der Orientierungsplan stärkt den Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen und prägt die pädagogische Arbeit in unserer Einrichtung. Bildung verstehen wir als „Aneignungstätigkeit“, mit der sich das Kind ein Bild von der Welt macht, sie verantwortlich mitgestaltet und sich dadurch als selbstwirksam erlebt. Lernen und Bildung verstehen wir als einen lebenslangen, aktiven Prozess.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 5 3 Leitprinzipien „Kreativ, innovativ und wegweisend“ Unsere Leitprinzipien ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Konzeption und die pädagogische Arbeit in den Einrichtungen. • Sie stehen im Einklang mit dem Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen in BadenWürttemberg. • Sie bieten einen gemeinsamen, wissenschaftlich begründeten und fachlich erprobten Orientierungsrahmen. • Sie geben methodisch-didaktische Vorgaben und Anregungen für die pädagogische Arbeit. • Sie drücken unser Rollenverständnis, Respekt, Vertrauen und unsere gemeinsame Haltung in der täglichen Arbeit aus. • Sie sind wegweisend und entwickeln sich kontinuierlich in den Einrichtungen und beim Träger weiter. • Sie verbinden unsere Einrichtungen und den Träger miteinander und garantieren Teilhabe, Austausch, Qualität und Reflexion.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 6 Unsere Prinzipien 1. Wir orientieren uns an den Stärken, Bedürfnissen und Befindlichkeiten von Kindern und deren Interessen, entsprechend ihres Alters und Entwicklungsstandes. 2. Wir respektieren die Würde der Kinder und ihr Recht auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit. Unsere Einrichtungen sind sichere Orte für Kinder. 3. Wir geben den Kindern Raum und Zeit und gehen achtsam mit dem selbstbestimmten Tempo ihrer Entwicklung um. Unsere Aufgabe ist es, eine Umwelt anzubieten, die diese umfassende Selbstbildung und -entfaltung zulässt und unterstützt. 4. Wir arbeiten ganzheitlich, innovativ und kreativ. Das Kernstück ist der teiloffene Ansatz, der die Räumlichkeiten und Bildungsbereiche als „dritten Erzieher“ nutzt. 5. Wir leben „gewachsene“ Schwerpunkte in unseren Einrichtungen, die von Standort zu Standort unterschiedlich sein können und sich auf den Sozialraum beziehen. 6. Wir leben Gemeinschaft und fördern soziale Kompetenzen. Deshalb vermitteln wir verständliche und verbindliche Regeln und Umgangsformen. 7. Wir verstehen uns als Vorbilder, Lehrende und Lernende im Rahmen einer Kompetenzpartnerschaft mit Kindern, Eltern und Mitarbeitern. 8. Wir sind fachlich kompetente und verlässliche Partner und sichern dies durch stetige Reflexion und Weiterentwicklung. Aktuelles Wissen aus der Pädagogik, Psychologie und Forschung wird dabei berücksichtigt. 9. Wir fördern demokratisches Handeln und Denken. Partizipation sichert, dass Beteiligung, Mitsprache und Mitmachen des Einzelnen gefragt und erwünscht ist. Dies spiegelt sich in der Teamkultur und in der Arbeit mit den Kindern und Eltern wieder. 10. Wir wertschätzen und respektieren, die in der Familie geleistete Erziehungsarbeit. Im Rahmen einer Kompetenzpartnerschaft bauen wir darauf auf, um eine gegenseitig unterstützende Bildung des Kindes zu realisieren.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 7 4 Wir stellen uns vor Kontakt: Hehlestraße 3 89584 Ehingen (Donau) Telefon: 07391 / 70336-0 E-Mail: kiga-mittendrin-l(@)ehingen.de Web: https://www.ehingen.de/kindergarten-mittendrin Träger: Stadt Ehingen Amt für Bildung, Jugend und Soziales Marktplatz 1 89584 Ehingen (Donau) Ansprechpartner: Kindergarten: Leitung: Carsten Steiniger Ständig stellvertretende Leitung: Lena Hamm Träger: Sachgebietsleitung: Frau Zeller Tel.: 07391/503-243 Stellvertretende Sachgebietsleitung: Frau Neumann Tel.: 07391/503-242

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 8 Jede Kindertageseinrichtung der Stadt Ehingen hat aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Räumlichkeiten und des Sozialraumes, in dem sie sich befindet ihr eigenes Erscheinungsbild. Grundsteinlegung für die Kita Mittendrin war im September 2022, die Stadt Ehingen (Donau) hat durch den Neubau nicht nur benötigte Kindergartenplätze sondern auch geförderten Wohnraum geschaffen. Es handelt sich um einen viergeschossigen Holzbau, wobei die zwei unteren Geschosse zum Kindergarten und die zwei oberen Geschosse zum sozialen Wohnungsbau gehören. Der Kindergarten Mittendrin soll im Verlauf zu einer viergruppigen Einrichtung wachsen, in der bis zu 100 Kinder einen Ort vorfinden sollen an dem Sie lernen, forschen, konstruieren aber auch spielen können. Zurzeit bieten wir zwei altersgemischte Gruppen vom 2. Lebensjahr bis zum Schuleintritt an. In diesen zwei altersgemischten Gruppen können wir bis zu 44 Kinder betreuen. Der Kindergarten Mittendrin umfasst nicht nur zwei Stockwerke, sondern auch ein großes Außengelände, welches genügend Platz für alle Kinder bietet um dort die Welt zu entdecken, sich auszuprobieren und spielend zu lernen. In der Einrichtung stehen den Kindern verschiedenste Lern- und Funktionsräume im Einklang des Orientierungsplanes des Landes Baden- Württemberg zur Verfügung. Der Kindergarten Mittendrin befindet sich, wie der Name schon sagt mittendrin in Ehingen und somit auch in der Kernstadt Ehingens. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe zahlreicher öffentlicher Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Gymnasium, dem Finanzamt, dem Rathaus sowie dem Groggensee und dem Wolfertsturm. Diese Nähe zur Innenstadt, mit Ihren Möglichkeiten und Angeboten werden von den pädagogischen Fachkräften regelmäßig genutzt um den Kindern eine Möglichkeit zu bieten Ihr Umfeld auf verschiedenen Arten und Ebenen zu erfahren und dadurch zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Im Kindergarten Mittendrin werden zur Zeit zwei Betreuungsformen angeboten, Verlängerte Öffnungszeiten (VÖ): Montag - Freitag von 7 Uhr bis 13 Uhr, Verlängerte Öffnungszeiten + (VÖ+): Montag - Freitag von 7 Uhr bis 14 Uhr. In Zukunft soll eine weitere Betreuungsform angeboten werden, die Ganztagesbetreuung: Montag – Donnerstag von 7 Uhr bis 17 Uhr und Freitag von 7 Uhr bis 14 Uhr.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 9 Schließzeiten wie die Sommerschließzeit oder aber Fachtage etc. werden mit dem Träger und dem Elternbeirat abgesprochen und rechtzeitig im Kalender der Kitaapp Stayinformed bekanntgegeben.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 10 4.1 Tagesablauf So wie jede Kita ihr individuelles Erscheinungsbild und ihre je eigene Schwerpunktsetzung hat, so gestaltet sich auch der Tagesablauf in jeder Einrichtung angepasst an die inneren und äußeren Gegebenheiten. Ab 7 Uhr heißen wir die Kinder herzlich Willkommen im Kindergarten Mittendrin. Da die Einrichtung zweistöckig ist und es uns wichtig ist zu wissen wer in unserem Haus ist, werden die Kinder und ihre Familienangehörigen an unserem Stehpult begrüßt. Hier gibt es die Möglichkeit sich kurz über vergangene oder tagesaktuelle Themen auszutauschen. Danach geht es in die Garderobe, in der sich die Kinder allein oder mit Unterstützung der Eltern bzw. der Fachkräfte umziehen. In den Lern- und Funktionsräumen bieten die Fachkräfte Impulse an, an welchen die Kinder bei Interesse teilnehmen können. Außerdem finden die Kinder in den Räumlichkeiten verschiedene Möglichkeiten zum Lernen und Arbeiten vor. In unserer Einrichtung bieten wir, von 7 Uhr bis 10 Uhr, freies Frühstück an. Freies Frühstück bedeutet für uns, dass die Kinder selbst entscheiden wann, wie lange, wie oft und mit wem sie in dieser Zeit frühstücken möchten. Im Kindergarten Mittendrin bieten wir am Vormittag Gesprächskreise an. Wobei an zwei Tagen der Woche entwicklungsspezifische Gesprächskreise stattfinden und an den restlichen Tagen freiwillige Treffen. In den entwicklungsspezifischen Gesprächskreisen können situationsabhängige Gespräche, Absprachen, Diskussionen und ein Erfahrungsaustausch stattfinden. Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit in dieser Zeit Ideen zu entwickeln, wodurch Projekte der Kinder und Impulse durch die pädagogischen Fachkräfte entstehen können. Aber auch das Singen von Liedern, Reimen und Kreisspiele findet in diesem Rahmen statt. Dazu finden in dieser Zeit auch die entwicklungsspezifischen Impulse statt. An den freiwilligen Treffen, können die Kinder je nach Interesse teilnehmen. In diesen Kreisen haben die Kinder genau wie in den entwicklungsspezifischen Kreisen die Möglichkeit zum Austausch untereinander, zum Singen, zum Reimen, zum Diskutieren und ähnlichem. Nach dem entwicklungsspezifischen Treffen und auch den freiwilligen Morgenkreisen sind wieder alle Lern- und Funktionsräume sowie der Garten geöffnet. Hier kann wieder jedes Kind

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 11 selbst entscheiden mit welchem Material etc. wie lange und mit welchem Spiel- bzw. Lernpartner es die Zeit verbringen möchte. Zur Mittagszeit besteht für die VÖ-Kinder einen kleinen mitgebrachten Imbiss zu sich zunehmen. Die VÖ+ und Ganztageskinder haben ab 11:30 Uhr bis ca. 13:00 Uhr die Möglichkeit ihr warmes Mittagessen einzunehmen. Das Mittagessen findet in den beiden Essensbereichen rollierend statt, wobei die Fachkräfte darauf achten, dass alle Kinder die Möglichkeit haben in Ruhe ihr Mittagessen zu sich zunehmen. Das Mittagessen findet in Buffetform statt. Wir achten darauf, dass die u3 Kinder die Möglichkeit haben pünktlich um 11:30 Uhr mit ihrem Mittagessen zu starten, damit wir sie danach in ihre wohlverdiente Ruhephase begleiten können. Wir bieten allen VÖ+ und Ganztageskinder die Möglichkeit sich mittags auszuruhen oder sogar zu schlafen. Die jüngsten Kinder werden von einer Fachkraft in den Ruhe- und Schlafraum begleitet. Stellt die Fachkraft nach einer angemessenen Zeit fest, dass ein oder mehrere Kinder nicht zur Ruhe finden können begleitet die Fachkraft die Kinder aus dem Raum und übergibt diese einer weiteren Fachkraft. Die älteren Kinder haben bei uns die Möglichkeit sich selbst zu entscheiden ob sie schlafen, ruhen oder sich in angemessener Lautstärke selbst beschäftigen wollen. Auch diese Kinder werden von einer Fachkraft begleitet. Kinder welche in den Schlaf finden, benötigen diesen und werden von den Fachkräften nicht geweckt. Nach dem Mittagessen und der anschließenden Ruhe- bzw. Schlafphase, ist es den Kindern freigestellt in welchem Bereich sie den Nachmittag verbringen möchten. Im Gegensatz zur Morgensituation, freuen wir uns, wenn Sie ihr Kind aus den jeweiligen Lern- und Funktionsräumen abholen. Dies ermöglicht nicht nur Tür- und Angelgespräche, es gibt den Kindern auch die Möglichkeit ihre „Schätze“ zu präsentieren und von ihrem erlebnisreichen Tag zu erzählen. Außerdem haben sie, als Eltern die Möglichkeit einen Einblick von der pädagogischen Arbeit zu erhalten.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 12 5 Spielen ist Lernen in der frühen Kindheit „Spiel ist nicht Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung“ (Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852), deutscher Pädagoge und Gründer des ersten Kindergartens in Blankenburg/Thüringen) Lernen und Spielen sind für Kinder ein und dasselbe. Im Spiel verwirklichen sich sowohl die allgemein menschlichen Lerngrundsätze wie auch die spezifischen Bedingungen des kindlichen Lernens auf ideale Weise. Der weltbekannte ungarische Musikpädagoge und Komponist Zoltan Kodaly wurde in den 50erJahren im Rahmen einer Hörfunksendung im Radio Budapest gefragt, wie Eltern eigentlich den Lernerfolg ihres Kindes in Kindergarten und Schule kontrollieren könnten. Seine Antwort: „Liebe Eltern, wenn ein Kind nach Hause kommt und berichtet, dass es heute viel gelernt habe, dann seien Sie bitte sehr vorsichtig, weil das Kind möglicherweise nur wenig gelernt hat. Kommt das Kind hingegen nach Hause und berichtet, dass heute gut gespielt wurde, dann dürfen Sie sehr zufrieden sein, weil das Kind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel gelernt hat!“ „Im Kindergarten wird gespielt, in der Schule wird gelernt!“ Viele Erwachsene fassen Spielen und Lernen als Gegensätze auf. Was zunächst als Gegensatz erscheint, ist eigentlich ein Traumpaar, denn Spielen ist die Grundlage einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung und aller selbstbildenden Prozesse. Deshalb gehört das Spiel zu den UN-Kinderrechten. Der Alltag in einer Kindertagesstätte steckt voller Herausforderungen. Durch das Spielen setzen Kinder sich mit großer Begeisterung mit ihrer Umwelt auseinander. Sie erforschen, begreifen, erobern und erschließen sich damit ihre Lebenswelt. Spielen, Lernen, Entwicklung und Neugierde sind untrennbar miteinander verbunden. Spiel ist notwendig für die kindlichen Lern- und Entwicklungsprozesse. Sich abstimmen, teilen, Rücksicht nehmen, abwechseln, warten, gemeinsam ein Ziel verfolgen, Regeln einhalten, streiten, Bedürfnisse und Gefühle äußern. Etwas tun was Spaß macht, untersuchen wie die Dinge funktionieren und entdecken, was sich mit eigenen Kräften und Ideen bewerkstelligen lässt. Beim Spielen laufen im Gehirn sehr komplexe Prozesse ab. Wann immer

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 13 wir neue Erfahrungen machen oder Informationen aufnehmen, führt dies zur Aktivierung und Verknüpfung von Nervenzellen. Von diesen haben wir von Geburt an unvorstellbar viele. Durch das Spielen werden unendlich viele Nervenzellen miteinander verknüpft. Es bilden sich bleibende Strukturen, die lebenslang genutzt und erweitert werden können. Beim Spiel verleihen Kinder ihrem Tun Sinn und den Dingen Bedeutung. Fantasie- und Rollenspiele, motorische Spiele und Konstruktionsspiele, Regelspiele und alle anderen Spielformen müssen Platz haben in der Familie, im Kindergarten und in der Schule. „Erzähle mir und ich werde es vergessen. Zeige mir und ich werde mich erinnern. Lass es mich tun – und ich werde es behalten! (Konfuzius)

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 14 5.1 Unser Bild vom Kind „Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“ (Maria Montessori) Die Grundlage unserer Arbeit ist der Blick auf das einzelne Kind, das im Mittelpunkt unseres pädagogischen Handelns steht. Kinder entdecken, erforschen und gestalten ihre Welt mit eigenen Tätigkeiten und mit allen Sinnen. Sie machen fortlaufend neue Erfahrungen und erweitern zunehmend ihre Fähigkeiten. Die Kinder leben im Hier und Jetzt. Jedes Kind ist neugierig, will sich erproben, lernen und bildet sich aus eigenem Antrieb. Dabei bekommt das Spielen eine der bedeutendsten Rollen. Spielen ist Lernen im Kindesalter, es ist die lernintensivste Zeit im Leben eines Menschen. Im Spiel setzen sich die Kinder mit ihrer Umwelt auseinander, sie erforschen, begreifen und erobern sich unvoreingenommen die Welt. Sie entwickeln von sich aus Ideen, strengen sich an, zeigen Einfallsreichtum und Flexibilität. Sie bewältigen Schwierigkeiten, Streit und üben das Einhalten von Regeln. Das Spiel ist für Kinder ein ganzheitliches Lernen mit starker emotionaler Beteiligung und mit geistiger und körperlicher Anstrengung. Wir sehen unseren Auftrag darin, diesen Prozessen und dem damit verbundenen Lernen Platz zu geben. Das Kind ist Konstrukteur seiner eigenen Bildung. Wir sorgen dafür, dass die Kinder im Alltag zu allen Inhalten der unterschiedlichen Bildungsbereiche Zugang haben. Wir unterstützen die Kinder darin, eigene Lern- und Lösungswege zu finden und geben ihnen dabei die Zeit, die sie brauchen. Wir achten darauf, individuelle Bildungsprozesse nicht zu unterbrechen und bieten Raum für selbständiges Erkunden und gestalten.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 15 Wir gestalten mit den Kindern eine anregende Umgebung mit Anreizen und Freiräumen zu vielfältigem Spiel. Wir unterstützen Kinder, selbst zu entscheiden, was, wann, und mit wem sie spielen möchten. Unser Bild vom Kind schließt die Annahme ein, dass jedes Kind die für seine Entwicklung notwendigen Anlagen in sich trägt. Jedes Kind verfügt über besondere Talente und Fähigkeiten sowie die Neugier und die Experimentierfreude, um sich die Welt in einem aktiven Prozess zu erschließen. Wir geben ihm den Raum, die Zeit und die Anregung sich zu entwickeln. Weniger das Defizitäre (Was kann das Kind nicht), als vielmehr das Vorhandene und bereits Entwickelte (Was bringt es mit, was kann es) zählt. Die Kinder des Kindergartens Mittendrin werden als individuelle Persönlichkeiten wahrgenommen, welche ihre Welt mit allen Sinnen begreifen. Sie sind Entdecker und Forscher, Kinder die neugierig, kreativ sind und Lust haben neues auszuprobieren. Sie sollen sich beteiligen und haben das Recht bei den Fachkräften gehör, zu finden. Die Kinder werden von uns unterstützt und wertgeschätzt. Jedes einzelne Kind bringt vielfältige Stärken und Ressourcen mit, auf welche wir vertrauen und aufbauen. Die Kinder der Einrichtung dürfen und sollen vor allem ihren Horizont erweitern, wir geben ihnen die Möglichkeit sich die Welt handhabbar zumachen.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 16 5.2 Rollenverständnis und Haltung der pädagogischen Fachkräfte „Die Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft ist geprägt von den demokratischen Werten unserer Gesellschaft und der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen. Deshalb ist das pädagogische Handeln von Respekt, Achtung und Wertschätzung gegenüber jedem Kind geleitet. Die pädagogischen Fachkräfte nehmen jedes Kind so an, wie es ist. Es muss nicht erst besondere Leistungen erbringen, Fähigkeiten haben oder Entwicklungen durchlaufen. Es wird auch angenommen, wenn es sich ungewöhnliche Gedanken macht oder für Themen älterer Kinder interessiert. Ausdruck dieser Grundhaltung sind auch Prinzipien des pädagogischen Handelns wie Partizipation, Integration, Ganzheitlichkeit sowie eine vorurteilsbewusste, geschlechtersensible Bildung und Erziehung. In der Umsetzung dieser Prinzipien ist sich die pädagogische Fachkraft bewusst, dass sie Vorbildfunktion für die Kinder hat.“ (Ministerium für Kultus, J. u. S. BW (2014). Orientierungsplan für Bildung und Erziehung. Herder). „Die pädagogischen Fachkräfte geben den Kindern Orientierung, Sicherheit und Halt durch liebevolle Zuwendung. Verlässliche, tragfähige und kontinuierliche Beziehungen zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft sind Voraussetzung für förderliche Bildungs- und Erziehungsprozesse.“ Der Orientierungsplan unterstützt und fördert unser Rollenverständnis: Wir verstehen uns als... • einfühlsame, liebevolle und verlässliche „Bezugsperson“, deren Beziehung zum Kind von gegenseitigem Vertrauen, von Achtung und Interesse aneinander geprägt ist. • verantwortliche „Zeitgeberin“ für freie, nicht verplante Zeiten des Spiels. • umsichtige „Raumgeberin“ für großzügige Spiel- und Experimentierräume. • ideenreiche „Materialbeschafferin“, um Bildungsprozesse der Kinder in Gang setzten zu können. • zugewandte „Ansprechpartnerin“ für eine Atmosphäre der Geborgenheit. • wertschätzende und klare „Halt – Geberin“, die den Kindern Rückmeldung über ihr Tun gibt und sinnvolle Grenzen setzt. • leidenschaftliche „Forscherin“, um mit den Kindern den Dingen auf den Grund zu gehen.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 17 • kreative „Mitdenkerin“, die die Problemlöseversuche der Kinder unterstützt. • gewährende „Möglich – Macherin“ eigener Entdeckungen und Erfahrungen der Kinder. • mitgehende „Begleiterin“ kindlicher Lernwege, ohne abkürzen oder „erleichtern“ zu wollen. • aufmerksame „Beobachterin“ der Entwicklungen und Erfindungen der Kinder. • neugierige „Fragestellerin“, um die Kinder zu weiteren Überlegungen anzuspornen. • einfühlsame „Impulsgeberin“ für weitere Anregungen in allen Bereichen. • brückenbauende „Vermittlerin“ von vielfältigen Lernmöglichkeiten und Herausforderungen. • vorbildliche „Macherin“ durch eigenes Experimentieren mit jeglichem Material. • umsichtige „Planerin“, die Interessen und Themen der Kinder berücksichtigt. • feinfühlige „Gesprächspartnerin“ bei Fragen und Problemen der Kinder. • achtungsvolle „Versorgende und Pflegende“, die die Grundbedürfnisse der Kinder kennt, sieht und stillt. • aufgeschlossene „Lehrende“ und wissbegierige, neugierige „Lernende“. • liebevolle „Trösterin“, die bei Misserfolg zur Seite steht. • stärkende „Mut – Macherin“, die den Kindern etwas zutraut. Dieses Rollenverständnis verlangt von unseren Fachkräften eine respektvolle pädagogische sowie menschliche Grundhaltung. Wir verstehen darunter eine Haltung, die geprägt ist von Offenheit, Authentizität, Optimismus, Wertschätzung und Vorurteilsbewusstsein. Dazu gehört es, selbst interessiert zu sein, sich zu engagieren, sich mitzuteilen, standzuhalten und flexibel auf Probleme einzugehen, sowie an Lerngemeinschaften mitzuwirken. Wir haben ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der Kinder und ihre Rechte. Wir reflektieren unser Handeln kontinuierlich und fachlich korrekt. Wir zeigen Flexibilität und Fantasie, nehmen uns zurück, sind gelassen und öffnen Lernräume. Hierzu brauchen wir Geduld, gute Nerven, Mut zur Lücke, Neugier auf das Leben und Weltwissen.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 18 Diese Haltung stellt hohe Anforderungen an das professionelle Können der agierenden Fachkräfte. Dafür ist es notwendig, dass sie sich kontinuierlich mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen befassen und sie in die pädagogische Arbeit integrieren. Sie brauchen die Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen, Perspektivwechsel zuzulassen und sich als Lehrende und Lernende zu verstehen. Ein wirkliches Interesse am Kind, die Neugierde, das Handeln der Kinder „lesen“ zu können sowie die Bereitschaft, mit den Kindern in Beziehung zu treten, unterstützen diese Haltung. In der täglichen Beziehungsarbeit sind wir dem Kind zugewandt und empathisch. • Wir hören dem Kind zu und begegnen ihm mit emotionaler Kompetenz. • Wir geben dem Kind Orientierung, Sicherheit und Halt durch liebevolle Zuwendung. • Wir gehen verantwortungsvoll mit Nähe und Distanz um. • Wir sind bereit zu achtungsvoller Pflege und dialogischer Kommunikation. • Wir strukturieren den Tag durch Regeln und Rituale, die wir selber vorleben. • Wir zeigen verantwortungsvoll Grenzen auf, wenn Regeln überschritten oder Rechte anderer verletzt werden. • Regeln sind klar und überfordern nicht, sie werden mit den Kindern erarbeitet und besprochen. Das dicke „Wir“ steht dafür, dass sich alle pädagogischen Fachkräfte damit identifizieren und für die Haltung, dass sie für alle Kinder im Haus verantwortlich und zuständig sind. Um dieses Rollenverständnis und diese Haltung zu erzeugen, bedarf es eines kontinuierlichen fachlichen Austausches, Anleitung und Diskussion im Team. Zusammen, im institutionellen Kontext, gilt es dann, solche professionellen und methodisch fundierten Haltungen zu etablieren und weiterzuentwickeln.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 19 Wen du brauchst: einen zum Küssen und Augen zubinden, einen zum lustige Streiche-erfinden. Einen zum Regenbogensuchen-gehen, einen zum Fest-auf-dem-Bodenstehen. Einen zum Brüllen, zum Leise sein einen, zum Lachen und einen zum Weinen. Auf jeden Fall einen der dich mag, heute und morgen und jeden Tag. (Regina Schwarz)

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 20 6 Eingewöhnung „Solange deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie größer werden, schenk' ihnen Flügel.“ (Khalil Gibran) Die ersten Übergänge von zu Hause in die Krippe oder in den Kindergarten sind sehr bedeutsam. Es ist die erste Trennung aus der familiären Obhut in eine institutionelle Gemeinschaft. Eltern möchten sicher sein, dass es ihrem Kind gut geht und es angenommen wird. Der Orientierungsplan Baden-Württembergs beschreibt die gemeinsam gestaltete Eingewöhnung als Grundlage für eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. In unseren Einrichtungen wird diesem ersten Übergang deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aus diesem Grund verfahren alle Ehinger Einrichtungen nach den gleichen Grundsätzen und Regeln, die sich nach dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“ richten: • Die Eingewöhnung wird individuell für jedes Kind gestaltet und bezieht die Persönlichkeit, Biographie und Bindung zu den Elternteilen ein. • Offenheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Eltern und den pädagogischen Fachkräften sind selbstverständlich und bilden die Brücke zwischen der Familie und der Einrichtung. • Eltern sind in der Eingewöhnungszeit der sichere Hafen für die Kinder, erreichbar und präsent. • Unsere fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen bilden die Basis für eine gelungene Eingewöhnung der Kinder und helfen den Eltern loszulassen. • Kleine Krisen und Trennungsängste werden im gemeinsamen Dialog thematisiert und abgebaut. • Längere Unterbrechungen in der Eingewöhnung erschweren den Beziehungsaufbau und verlängern somit die Eingewöhnungszeit. • Nach Abschluss der Eingewöhnung erfolgt eine gemeinsame Reflexion.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 21 Alle Einrichtungen der Stadt Ehingen haben sehr gute Erfahrungen und Erfolge mit dem „Berliner Modell“ gemacht, weil es kein starres, sondern ein flexibles und dynamisches Modell ist. Die pädagogischen Fachkräfte haben dabei fortwährend das Verhalten und Wohlbefinden des Kindes im Blick. 6.1 Ablauf der Eingewöhnung Der Übergang von zu Hause in die Krippe oder in den Kindergarten bedeuten für das Kind und seine Familie eine Zeit der Veränderung. Vielleicht ist es die erste Trennung aus der familiären Obhut in eine institutionelle Gemeinschaft. Eltern möchten sicher sein, dass es ihrem Kind gut geht und es angenommen wird. Das Kind entdeckt eine neue Umgebung und knüpft neue Beziehungen. Der Familienalltag verändert sich. Eltern und Kind finden sich im Lauf des Übergangs in ihre neuen Rollen ein. Das erfolgreiche Meistern dieser sensiblen Phase ist eine Grundlage für die weitere Entwicklung des Kindes. Die gemeinsam gestaltete Eingewöhnung, das Ankommen beschreibt der Orientierungsplan Baden-Württemberg auch als Grundlage für eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. In unseren Einrichtungen wird diesem Übergang besondere Aufmerksamkeit geschenkt, damit er für alle Beteiligten zu einem Kompetenzzuwachs führen kann. Ziel des bewusst gestalteten Überganges ist das Vertraut-Sein mit der neuen Alltagswelt. Die Ehinger Einrichtungen orientieren sich an den Phasen des Berliner Eingewöhnungsmodells und beziehen neben der Bindungstheorie auch Erkenntnisse aus der Transitionsforschung und dem systemischen Denken mit ein. Folgende Aspekte möchten wir hervorheben: • Die Eingewöhnung wird individuell für jedes Kind und seine Familie gestaltet, denn jedes Kind hat einzigartig Beziehungserfahrungen gemacht. Seinen inneren Vorstellungen von Beziehungen, von Nähe und Distanz aber auch das Ausleben von Emotionen und ihre Regulation sind durch diese Erfahrungen geprägt. Daher variieren die Zeiträume sowohl bis zur ersten Verabschiedung als auch der Eingewöhnung insgesamt stark. • Wir sehen das Kind als kompetentes Kind. Kinder sind Meister des Lernens. Sie sind offen für das, was sie umgibt. Ihre inneren Potenziale des Lernens veranlassen sie dazu, sich auf Neues einzulassen und sich Fertigkeiten anzueignen. Während des Ankommens geht es für das Kind auch um Autonomieerleben, Kompetenzerleben und soziales

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 22 Eingebundensein. Wenn das Kind in die Kinderkrippe / den Kindergarten kommt, haben wir gemeinsam mit den Familien Zutrauen in das Kind und können sagen: „Du schaffst das, ich traue dir das zu und ich achte darauf, dass du die Zeit bekommst, die du brauchst.“ • Offenheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Eltern und den pädagogischen Fachkräften bilden die Brücke zwischen der Familie und der Einrichtung. Ein Ankommensprozess ohne eine stabile Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gelingt nur schwer. • Auch für Eltern ist die Eingewöhnung ein Ankommen in einer neuen Umgebung. Auch Eltern müssen mit den Menschen, den Räumlichkeiten und den Strukturen erst vertraut werden. Dann fällt es leichter, das Kind vertrauensvoll die neue Umgebung für einige Zeit alleine erkunden zu lassen. Wenn Eltern dieses Vertrauen haben, kann auch das Kind leichter vertrauen. Daher ist es uns so wichtig, dass Eltern die Fachkräfte, die Räumlichkeiten, die Strukturen und Regeln kennen. Bereits mit dem Aufnahmegespräch beginnen wir eine vertrauensvolle Beziehung zueinander aufzubauen. • Eltern sind in der Eingewöhnungszeit der sichere Hafen für ihr Kind. Sie sind daher in den ersten Wochen sofort erreichbar und bei Bedarf schnell präsent. • Weitere Sicherheit gebende Faktoren für das Kind sind Übergangsobjekte (wie z.B. ein Kuscheltier oder ein Tuch der Bezugsperson), wiederkehrende Handlungsroutinen durch gleichbleibende Mikroübergänge (z.B. feste Rituale beim Verabschieden und Abholen) und durch unseren verlässlichen Tagesablauf sowie die immer vertrauter werdende Fachkräfte und Kinder. • Montage gestalten sich im Ablauf immer so wie Freitage, damit das Kind auf bereits Bekanntes zurückgreifen kann. • Längere Unterbrechungen in der Eingewöhnung erschweren den Beziehungsaufbau und verlängern somit die Eingewöhnungszeit. Daher bitten wir sie dringend in der Eingewöhnungszeit nicht zu verreisen. • Mit unserer fachlichen Kompetenz und Erfahrung unterstützen wir Familien mit ihrem Kind in einem gelingenden Übergang. Die pädagogischen Fachkräfte haben dabei fortwährend das Verhalten und Wohlbefinden des Kindes im Blick.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 23 Ablauf des „Ankommens“ Der Ablauf der Eingewöhnung ist vorab gut geplant und beinhaltet aufeinander aufbauende ineinander übergehende Phasen, durch die die Familie von einer pädagogischen Fachkraft als Ansprechperson begleitet wird. Aufnahmegespräch Ein ausführliches Aufnahmegespräch, zu dem wir beide Elternteile und das Kind herzlich einladen, ermöglicht ein gegenseitiges Kennenlernen und erleichtert das folgende „Sicheinleben“ der Familie. Es bietet den Eltern mit ihrem Kind die Möglichkeit, erste Eindrücke von der Einrichtung und den Strukturen zu bekommen. Die pädagogischen Fachkräfte und die Familie lernen sich gegenseitig kennen. In diesem Gespräch findet ein wechselseitiger Informationsaustausch statt, bei dem Wünsche und Bedenken geäußert und offene Fragen geklärt werden können. Die Einrichtung wird gemeinsam erkundet und eine erste Kontaktaufnahme zwischen Fachkraft und Kind ist möglich. In Gesprächen zu Hause, beim gemeinsamen Anschauen des Willkommensbuches und beim Spaziergang vorbei am Kindergarten können die Eltern sich zusammen mit ihrem Kind in der Zeit bis zur Aufnahme immer wieder mit dem bevorstehenden Übergang beschäftigen und diesen vorbereiten. Im Kindergarten Mittendrin ist, jedes Kind und jede Eingewöhnung individuell: Etwa ein bis zwei Monate vor dem 1. Tag im Kindergarten, werden die Eltern gemeinsam mit dem Kind zum Kennenlerngespräch eingeladen. In diesem Gespräch stellt die eingewöhnende Fachkraft die Einrichtung sowie die Gruppenstruktur und das pädagogische Konzept vor. Es wird gemeinsam das Anmeldeheft und der Aufnahmebogen der Einrichtung besprochen. Während des Gespräches stellt die Fachkraft den Ablauf der Eingewöhnung vor und es besteht die Möglichkeit erste Fragen zu klären. Während des Gesprächs kann das Kind erste Kinder, Fachkräfte und die Einrichtung kennenlernen. Zwei bis vier Wochen vor dem Start der Eingewöhnung, erhält das Kind und dessen Eltern einen Brief aus der Einrichtung. Dieser Brief beinhaltet nicht nur eine Erinnerung an den 1. Tag und die genaue Uhrzeit, sondern auch ein Buch der Einrichtung. Dieses Buch können sich die Eltern mit dem Kind anschauen um sich gemeinsam auf die Eingewöhnung im Kindergarten vorzubereiten.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 24 Kennenlernphase In der Kennenlernphase stellt ein Elternteil die „sichere Basis“ für das Kind dar. Die Ansprechperson aus der Einrichtung bespricht mit dem Elternteil, wo sich dieser aufhalten kann, während das Kind die neue Umgebung erkundet und Vertrauen aufbauen kann. Der Zeitpunkt der Verabschiedung wird immer gemeinsam zwischen Fachkraft und Elternteil besprochen und orientiert sich an den Signalen des Kindes (z.B. erkundet das Kind die nähere Umgebung auch ohne Eltern, es zeigt sich interessiert, zeigt positive Gefühle und Lust, das Kind verhält sich responsiv, d.h. reagiert auf Ansprache, kommuniziert mit Fachkräften und / oder Kindern, es beteiligt sich an Pflegesituationen wie Wickeln, Füttern, Essen oder Anziehen, die die Fachkraft gestaltet). Uns ist es wichtig, dass Eltern sich aktiv und in gleichbleibender Form von ihrem Kind verabschieden. Wiederkehrende Handlungsroutinen und Rituale beim Ankommen/Verabschieden und beim Abgeholt-werden vermitteln dem Kind Sicherheit. Häufig ist eine Trennung mit Schmerz verbunden. Tränen gehören für viele zum Abschied dazu und dürfen sein. Wir nehmen das Kind in seiner Art Abschied zu nehmen ernst. Wir unterstützen Kinder in der Wahrnehmung und Verarbeitung ihrer Gefühle, indem wir diese zulassen, ihnen genug Raum geben und das Kind empathisch begleiten. Lässt sich das Kind nicht in angemessener Zeit von der Fachkraft trösten, werden die Eltern zurückgeholt. Daher ist es so wichtig, dass sie jederzeit erreichbar und in der Nähe sind. Neben der wertschätzenden Beziehung der Fachkräfte zum Kind ist insbesondere auch das gruppenorientierte Erzieherverhalten Grundlage für eine sichere Fachkraft-Kind-Beziehung. Daher achten die Fachkräfte darauf, dass sie auch während Eingewöhnungen in ihrem Handeln gruppenbezogen ausgerichtet sind, empathisch auf jedes Kind aus der Gruppe eingehen und die Gruppendynamik regulieren. Die Kinder im Miteinander sind eine wertvolle Ressource für das Ankommen des Kindes. Die Kindergruppe wird in die Eingewöhnung einbezogen, indem die Fachkräfte die Interaktionen zwischen den Kindern unterstützen. Die bereits eingewöhnten Kinder sind Experten auf dem Gebiet des Ankommens, da sie diesen Übergang bereits erfolgreich gemeistert haben und sich in der Kita auskennen. Sie können dem Kind auf Augenhöhe begegnen und dem Kind helfen, die Kita kennenzulernen und für sich zu erobern.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 25 In den ersten Tagen der Eingewöhnung kommt das Kind mit den Eltern gemeinsam für höchstens 90 Minuten in die Einrichtung. Um Vertrauen zur eingewöhnenden pädagogischen Fachkraft aufzubauen, empfängt diese das Kind und die Eltern und begleitet sie zum Start des Tages in Absprache mit den Eltern, in den Funktionsbereich, welcher den Interessen des Kindes entspricht. Dort lernt das Kind weitere Kinder kennen und kann im Spiel eine Bindung zur pädagogischen Fachkraft aufbauen. Bei Bedarf und Wunsch des Kindes ist es möglich die Funktions- und Lernbereiche gemeinsam mit der Fachkraft und den Eltern zu wechseln. Durch den Wechsel der Bereiche ist es dem Kind möglich weitere Kinder sowie andere pädagogische Fachkräfte kennenzulernen und sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. In dieser Phase erfährt das Kind die täglichen Routineaufgaben, wie Händewaschen, Essensabläufe und das Wegräumen des Spielzeugs nach Gebrauch. Die Eltern sind in dieser Zeit passiv anwesend im Raum in dem sich das Kind aufhält, sie sollen Ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen geben aber nicht aktiv mit dem Kind spielen. Durch das passive Verhalten der Eltern hat die pädagogische Fachkraft die Möglichkeit eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Bei Kindern welche Windeln benötigen zeigt die sorgeberechtigte Person worauf zu achten ist. In Absprache mit dem Kind und den Eltern übernimmt die pädagogische Fachkraft im Verlauf der Eingewöhnung immer mehr Aufgaben während des Wickelns. Die pädagogische Fachkraft entscheidet individuell auf das jeweilige Kind bezogen, wann die erste Trennung stattfindet und wie lange diese dauert. Dem Kind wird die Trennung von den Eltern klar kommuniziert und durch ein bekanntes Ritual symbolisiert. Stabilisierungsphase Durch alltagsbestimmende Rituale und das gemeinsame Spiel werden die Beziehungen intensiviert und gefestigt. Das Kind integriert sich zunehmend in die Gemeinschaft und den Alltag und gewinnt immer mehr Sicherheit in der nicht mehr ganz so neuen Umgebung. Dabei kommt es auch im häuslichen Umfeld zu Veränderungen, wenn das Kind nun zu Hause zu anderen Zeiten isst und schläft wie bisher. Dies spricht für die weitere Integration des Kindes in den neuen Alltag und erfordert von den Familien eine feinfühlige Anpassung an die sich verändernde Lebenssituation.

Konzeption der städtischen Kindertageseinrichtungen Mittendrin in Ehingen (Donau) 26 In dieser Phase wird der Zeitraum, den das Kind ohne Elternteil verbringt, kontinuierlich ausgedehnt – immer in gegenseitiger Absprache und an den Bedürfnissen und Signalen des Kindes orientiert. Dauert diese Phase etwas länger, lautet die Devise: „Auch kleine Schritte führen zum Ziel.“ Wichtig bleibt dabei aber die Erreichbarkeit der Eltern, die weiterhin die „sichere Basis“ für ihr Kind sind. Das Kind lernt die anderen Funktions- und Lernbereiche, andere Fachkräfte und andere Kinder mit der eingewöhnenden Fachkraft noch intensiver kennen. Dadurch baut es weitere Beziehungen auf. So gelingt es dem Kind, die täglichen Abläufe in den verschiedenen Bereichen immer besser kennenzulernen und sich daran zu beteiligen. Die Trennungszeiten werden im Verlauf der Stabilisierungsphase solange ausgedehnt bis die geplante Betreuungszeit erreicht ist. Sollte es dazu kommen, dass das Kind sich z.B. nicht mehr von der Fachkraft beruhigen lässt oder sich die Trennungszeit nicht verlängern lässt, so kann es nötig sein, dass in Absprache mit den Eltern die Betreuungszeit vorerst verkürzt werden muss und / oder die Eltern wieder mehr Präsenz im Kita-Alltag zeigen müssen. Abschlussphase Ein gelungenes Ankommen ist erreicht, wenn das Kind die pädagogischen Fachkräfte der Einrichtung als „sichere Basis“ anerkennt und sich bei Bedarf von diesen trösten lässt. Das Kind hat erlebt und gelernt, dass es auch in unsicheren Situationen wieder zu innerer Stabilität finden kann. Es hat verschiedene Möglichkeiten erlebt, um mit Momenten der Überforderung umzugehen – z.B. durch andere Kinder, Spielmaterialien, etwas zu trinken, die Nähe zu einer Fachkraft. Dies zeigen die Fachkräfte in einer Lerngeschichte auf. Die Kita ist weiterhin ein Ort mit viel Dynamik, an dem es immer wieder neue Situationen und Veränderungen gibt, aber alle Beteiligten haben erlebt und gelernt, wie diese zu bewältigen sind. Der Übergang ist abgeschlossen, wenn das Kind und seine Familie sagen können: „Wir gehören jetzt dazu, die Kita ist jetzt auch unsere Welt.“ Kind und Familie sind mit der Einrichtung, den Menschen dort und den Abläufen vertraut.

RkJQdWJsaXNoZXIy NzY5NzY=